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Gemeinde Leithaprodersdorf
Schulgasse 1 2443 Leithaprodersdorf Tel.: 02255 / 6203 Fax: 02255 / 6203-9 Geschichte & EntwicklungWie Oberflächenfunde von Steinbeilen in der Ried "Wörth" bezeugen, war die Leithaprodersdorfer Gegend bereits in der Jungsteinzeit bäuerlicher Siedlungsraum. Ein ausgedehntes Gräberfeld mit etwa 200 Bestattungen aus der frühen und späten Bronzezeit wurde in der Ried "Edelseeäcker" ausgegraben. Die frühbronzezeitlichen Hockergräber sind namengebend für die "Leithaprodersdorf-Gruppe" der Bronzezeit (2300-2000 v. Chr.) und werden von Gräbern der Wieselburg-Kultur (2000-1800 v. Chr.) abgelöst. Unter den 80 Brandgräbern der spätbronzezeitlichen älteren Urnenfelderzeit (1300-1050 v. Chr.) ist vor allem die durch eine Steinplatte abgedeckte Grabkammer eines mit Bronzeschwert bewaffneten Krieges aus dem 12. Jh. v. Chr. zu nennen.
In römischer Zeit war das Gemeindegebiet von Leithaprodersdorf dicht besiedelt. Zwei große Gutshöfe und ein Wachturm (Burgus) sowie die zugehörigen Gräberfelder mit Grabsteinen sind durch Ausgrabungen seit dem vorigen Jahrhundert benannt. Die Namen Maguricius, Ussuro, Ucco, Cenomarus, Gnatila sowie Octo, Aurelia Valla und Aurelia Florentina belegen die keltisch-römische Mischbevölkerung des 1. - 3. Jahrhunderts. Aus der Frühgeschichte stammt ein Bestattungsplatz der Awaren aus dem 8. Jh. beim Annenkreuz. Das bedeutendste, noch heute sichtbare Bodendenkmal am Ortsrand von Leithaprodersdorf ist das "G'schlößl", eine mittelalterliche, aus drei konzentrisch umlaufenden Gräben und Wällen bestehende Wasserburg. Sie wurde im 13. Jahrhundert auf den Ruinen des römischen Wachturmes zur Sicherung des Leithaüberganges errichtet. Die erste urkundliche Nennung des Ortes geht auf das oben erwähnte "G'schlößl" zurück: 1232 tritt uns das "castrum Pordan" = Burg an der Furt (über die Leitha) erstmals als Ortsname entgegen. Das mittelalterliche Dorf dürfte damals schon bestanden haben. Bereits 1273 zerstörten böhmische Truppen die Befestigungsanlage. 1285 schenkte der ungarische König Ladislaus IV. den Ort "Parda, d.h. Brodeynstorf" der Abtei Heiligenkreuz; nach 1377 gelangte das adelige Geschlecht der Kaniszai in den Besitz des Dorfes. Damit war Leithaprodersdorf der Herrschaft Hornstein unterstellt und teilte fernerhin deren Schicksal. In der Folgezeit schien das Dorf urkundlich unter den Namen "Ewrpordan" (1395) und "Proderstarff" (1412) auf. Die Türkenkriege des 16. Jh.s (1529, 1532) brachten Unheil; die Bergkirche wurde teilweise zerstört, jedoch fiel die Dezimierung der Bevölkerung wegen der etwas isolierten Lage des Dorfes nicht so arg aus wie in anderen Orten. Die Reformation konnte sich in Leithaprodersdorf nicht durchsetzen. 1605 und 1619/20 hatte die Siedlung unter den aufständischen Heiducken Bocskays bzw. unter den Plünderungen der Bethlen-Truppen zu leiden. Besonders schlimm erging es der Bevölkerung während der zweiten Wiener Türkenbelagerung (1683). Die Bergkirche wurde endgültig verwüstet; sie ist seither eine Ruine. Viele Bewohner flüchteten ins Leithagebirge. 1705 wiederholte sich die Brandschatzung des Dorfes, diesmal durch aufständische Kuruzzen, welche vor allem die Herrschaften der kasiertreuen und katholischen Esterházy bedrängten (Hornstein befand sich seit 1702 im Besitz der Familie Esterházy). Wiederum mußten die Bewohner des Ortes Zuflucht in den Wäldern des Leithagebirges suchen. Kaum waren die zermürbenden Schrecken der Kuruzzenrevolte verklungen, kam mit der Pest neuerliches Unheil über den Ort. Danach folgten verhältnismäßig ruhige Zeiten, von einigen Durchmärschen napoleonischer Truppen (1809) abgesehen. Das Jahr 1848 brachte u.a. die Aufhebung der Grunduntertänigkeit; damit begann auch für die Bewohner der Herrschaft Hornstein eine neue Zeit. Um 1850 wurden die Reformmaßnahmen, die man als Urbarialregelung bzw. als Grundentlastung bezeichnet, in Angriff genommen. während das Ackerland an die einzelnen Bauern verteilt wurde, beließ man Wald und Wiese zur gemeinsamen Nutzung ("Urbarialgemeinde").
Der Erste Weltkrieg brachte Opfer, Leid und karge Lebensverhältnisse für die Bevölkerung. In der Zeit nach Kriegsende bis zum Anschluß des Burgenlandes an Österreich 1921 blühte der Schmuggel von Vieh, Getreide und anderen Lebensmitteln über die Leitha. Die Zwischenkriegszeit war für die Ortsbewohner von wirtschaflticher Not und Arbeitslosigkeit gekennzeichnet. Allmählich begann sich auch die soziale Struktur des Dorfes, die bisher eine fast rein bäuerliche gewesen war, zu ändern: Kleinhäusler und Bauernsöhne aus kinderreichen Familien strebten nun vermehrt Handwerksberufe an. Der Zweite Weltkrieg forderte 31 Gefallenen und 19 Vermisste. Unter direkten Kriegseinwirkungen hatte der Ort - abgesehen von einigen Notabwürfen alliierter Bomber, die jedoch nur Flurschäden anrichteten - nicht zu leiden. Beim Herannahen russischer Truppen verließen die deutschen Soldaten den Ort, nachdem sie zuvor noch die Leithabrücke gesprengt hatten. Der Einmarsch der Russen ging ohne kriegerische Handlungen vor sich, die nachfolgenden üblichen Plünderungen und Bedrängnisse der Bevölkerung konnten allerdings nicht verhindert werden. Die arbeitsfähigen Ortsbewohner wurden zur Wiederherstellung der zerstörten Leithabrücke herangezogen. Die Gemeinde war bis Ende Juni 1945 von russischen Truppen besetzt. Danach konnte mit unermüdlichem Fleiß an den Aufbau herangegangen werden. In der Folge erholte sich das Dorf rasch, die wirtschaftliche Lage der Ortsbevölkerung verbesserte sich fortlaufend. Eine zielstrebige und einträchtig betriebene Gemeindepolitik führte zu gewaltigen kommunalen Aufbauarbeiten im Ort. 1971 wurden die drei Ortschaften Leithaprodersdorf, Loretto und Stotzing zur Großgemeinde Leithaprodersdorf vereinigt. 1975 wurde ein Kindergarten errichtet, der Zu- und Umbau der Volksschule erfolgte 1981. Im selben Jahr bekam die Feuerwehr ein neues Gebäude. Mit der Errichtung eines Arzthauses wurde die medizinische Versorgung gesichert. Mit Wirkung vom 1. Jänner 1990 war Leithaprodersdorf wieder eine eigenständige Gemeinde. Viele Projekte, die bereits vor der Gemeindetrennung in Angriff genommen worden waren, wurden nun fortgesetzt. Für die Abwasserentsorgung entstand eine Großkläranlage (Deutsch-Brodersdorf). Um die Infrastruktur entsprechend auszubauen, erfolgte eine zeitgemäße Gestaltung und Erneuerung des Ortsbildes und im Jahr 1997 die Errichtung eines Gemeindeamtes. |